Der Angriff der Armee der Russischen Föderation auf unseren östlichen Nachbarn hat seit Jahren gestellte Fragen in neuem Licht erscheinen lassen. Wie stark ist Russlands Militär tatsächlich und in welchem Zustand befindet sich sein Gegenüber, die Armeen der NATO?
Größe der Armeen von NATO und Russland
NATO-OTAN
Die NATO besteht aus 30 Mitgliedstaaten, von denen 7 Länder zu finden sind in den ersten zwanzig Plätzen des Vergleichs der Militärstärke laut Globalfirepower.com (2022 Military Strength Ranking). Trotzdem sind die deklarierten Zahlen an Technik und Personal niedrig.
Zur Verfügung stehen knapp 470 Tausend Angehörige in multinationalen Einheiten. Alles besteht nur aus Berufssoldaten der Mitgliedsarmeen.
- Die Luftstreitkräfte verfügen über 2070 Flugzeuge, davon 350 Kampfflugzeuge und 850 Hubschrauber.
- Die Landstreitkräfte bestehen hauptsächlich aus 1500 Panzern und 11600 Schützenpanzern.
- Der stärkste Teil der Seestreitkräfte sind 3 Flugzeugträger, 2 Hubschrauberträger, 22 U-Boote und 26 Zerstörer mit Fregatten.
Mitgliedstaaten der NATO

Russische Föderation
Im aktiven Dienst hat Russland 850 Tausend Personen und 250 Tausend Reservisten und die gleiche Anzahl an Vertragssoldaten aus paramilitärischen privaten Organisationen wie zum Beispiel der Wagner-Gruppe.
Auf dem Papier verfügt es über:
- über 4100 Stück Luftfahrttechnik aller Art,
- 12.400 Panzer,
- über 30.000 Stück gepanzerte Transportfahrzeuge verschiedener Typen.
- Die Seestreitkräfte bestehen derzeit hauptsächlich aus 53 U-Booten und 19 Raketenkreuzern mit Fregatten.
Offiziell führt es immer noch einen einzigen Flugzeugträger, die Admiral Kusnezow, dieser befindet sich jedoch seit Langem im Trockendock nach einem massiven Brand und war auch vor dem Unfall nicht dauerhaft in voll einsatzfähigem Zustand.
Hubschrauberlandungsschiffe hat Russland nicht im Dienst. Alle Träger aus der Zeit der UdSSR wurden ausgemustert, und neue Einheiten der französischen Mistral-Klasse wurden nicht geliefert. Der Vertrag wurde seitens Frankreichs gekündigt wegen der Besetzung und anschließenden Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Truppen der Russischen Föderation.
Aus dem Vergleich könnte der Eindruck entstehen, dass die Armeen der NATO deutlich im Nachteil sind. Es gibt jedoch gleich mehrere wichtige Aspekte, die die gesamte Situation verändern.Die Zahlen sind trügerisch. Die Mitgliedstaaten geben Kapazitäten je nach Bedarf frei, die Anzahl des verfügbaren Personals oder der Technik ist daher um ein Vielfaches größer.
Flugzeugträger und U-Boote gehören im Vergleich europäischen Ländern. Im Falle einer ernsthaften Bedrohung werden jedoch auch die USA ihre Technik freigeben, die über 10 Flugzeugträger verfügen. Zum Beispiel allein Deutschland verfügt über mehr als 9 Tausend Schützenpanzer mehrerer Typen. Eine weitere wichtige Tatsache ist, dass ein angegriffenes Land zur Mobilisierung übergeht, wodurch sich seine bisherigen Kapazitäten vervielfachen. Litauen verfügt zum Beispiel über 15 Tausend Reservisten und 11 Tausend Angehörige paramilitärischer Einheiten. Bei einer teilweisen Mobilisierung würde es seine Kapazitäten somit um zwei Drittel erhöhen.

Quelle: aa.com, tr.
Ausbildung und Einsatz
Ein weiterer Hauptunterschied ist die Qualität der Ausbildung, die Modernisierung der Technik und die technische Infrastruktur. Die Größe der Armee ist nicht das Wichtigste, da je größer die Armee, desto komplizierter die Logistik, Verlegungen und Kommunikation.
Das zeigt sich deutlich an der ukrainischen Front, wo die Russen die größten Verluste gerade während der Verlegungen erlitten haben und die Einheiten unter einem schweren Mangel an Proviant, Treibstoff und Munition leiden. Auch die Kommunikation wurde zum Problem, da das russische System Glonass begann, fatale Fehler aufzuweisen, und russische Einheiten gezwungen waren, Touristenausrüstung mit GPS-System zu verwenden, sogar in Kampfflugzeugen SU-35 und Hubschraubern KA-52. Das Chaos und die verminderte Moral wurden zusätzlich durch die Tatsache verstärkt, dass diese Probleme Einberufene und Angehörige des Grundwehrdienstes trafen.
Der Großteil der Einheiten der NATO-Truppen besteht aus Berufssoldaten. Viele von ihnen haben einen langjährigen Auslandseinsatz bei Missionen in Afghanistan, Irak, Zypern oder Mali hinter sich. Multinationale Einheiten wechseln sich auch regelmäßig bei der Bewachung des Territoriums ab der baltischen Staaten oder Islands..
Technische Basis
Hersteller von Militärtechnik aus den NATO-Mitgliedsländern gehören zur Weltspitze (z. B. der amerikanische General Dynamics, der französische Thales oder der deutsche KMW). Der Unterschied zwischen der Russischen Föderation und der NATO besteht auch darin, dass Russland in den letzten Jahren keinen bedeutenderen Waffentyp in den aktiven Dienst einführen konnte.
Den überwiegenden Teil seiner Neuerungen bildeten Modernisierungen älterer Technik (z. B. die Panzer T-64, T-72 oder die Radtransporter der Reihe BTR). Die Projekte des Kampfjets SU-57 oder des Panzers Armata schafften es weder in die Massenproduktion noch wurden sie in die reguläre Bewaffnung eingeführt. Einige gebaute Typen werden nur für Militärparaden und internationale Propaganda genutzt. Die NATO-Länder hingegen führen ständig neue Techniktypen ein wie zum Beispiel den deutschen Transporter Lynx KF-41 oder das internationale Projekt eines Düsenkampfflugzeugs F-35, von denen das letztgenannte bereits bei mehreren Mitgliedern im aktiven Dienst eingesetzt wird.
Die Stellung der Slowakei in der NATO
Die Slowakei ist seit 2004 Mitglied der NATO. Geografisch gesehen bewachen wir ihre Ostflanke zusammen mit den baltischen Staaten und Polen. Angesichts der langjährigen Unterfinanzierung des Armeehaushalts durch vorherige Regierungen und der massiven Präsenz veralteter, überwiegend sowjetischer Technik, ist das Verteidigungsministerium der Slowakischen Republik zu einer Erhöhung des Budgets und mehreren Modernisierungsprojekten übergegangen.

Quelle: mosr.sk
Aktuell läuft der Austauschprozess von 3D-Überwachungsradaren (israelisch, Elbit), Düsenkampfjets (amerikanisch, F16 Block 70/72), und auch die Ausschreibungen für Schützenpanzer wurden abgeschlossen (schwedischer Kettentyp CV-90 von BAE Systems und finnischer Radtyp Patria AMV).

Quelle: mosr.sr
Für das Jahr 2022 wurde ein Budget in Höhe von 1,899 Mrd. Euro (1,8 % des BIP) vorgesehen. Diese Summe ist jedoch unzureichend und erfüllt nicht die Verpflichtung des Gipfels von Wales (2014). Die Mitgliedstaaten haben sich verpflichtet, mindestens 2 % des BIP für die Verteidigung bereitzustellen. Zum Vergleich: Polen stellte für 2021 2,34 % und Griechenland 3,59 % des BIP bereit.
Um die Komplexität des Problems zwischen Russland und dem Nordatlantikbündnis - NATO - zu verstehen, müssen wir weit in die Vergangenheit zurückblicken, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
Der Beginn der Rivalität und Teilung der Welt - die Entstehung der NATO und des Warschauer Pakts
Die Nordatlantische Allianz
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfüllten die westeuropäischen Länder ihre Verpflichtung und reduzierten die Personalstärke der Armeen sowie die Anzahl der Militärtechnik. Es war eine Vereinbarung, die noch während des Krieges geschlossen wurde, als Akt des Friedens und zur Sicherung künftigen Vertrauens zwischen benachbarten Ländern. Mit Besorgnis verfolgten sie jedoch, wie ihr ehemaliger Verbündeter, Sowjetunion, statt diese Vereinbarung einzuhalten, noch stärker aufrüstete und versuchte, seinen militärischen Einfluss in der Welt zu stärken.

Warnsignale, dass es sich bei der UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, in Kyrillisch CCCP) nicht um einen verlässlichen Verbündeten handelte, gab es schon von Anfang an. Den Zweiten Weltkrieg begannen nämlich Nazideutschland zusammen mit der UdSSR, durch den Überfall auf Polen. Die Nazis schlossen mit Stalin einen Nichtangriffspakt, der in die Geschichte einging als Pakt Molotow-Ribbentrop (23. August 1939). Ein trauriger Teil unserer Geschichte ist, dass am 1. September 1939 zusammen mit den Nazis auch Polen von der Slowakeiüberfallen wurde, damals unter der Führung der faschistischen Partei von Tiso. Die UdSSR fiel am 17. September 1939 von Osten in Polen ein.
In den Zweiten Weltkrieg trat die UdSSR anschließend erst am 22. Juni 1941 direkt ein, nach dem Start der Operation Barbarossa, als die Truppen der Achsenmächte auch das Gebiet der Sowjetunion angriffen. Bis dahin hatten die Sowjets ihre Zeit mit dem Überfall auf Finnland verbracht, bekannter als der Winterkrieg (30. November 1939 – 13. März 1940). Der Winterkrieg zeigte die Schwächen der sowjetischen Armee, was Hitler dazu ermutigte, auch seinen bisherigen Verbündeten anzugreifen. Bis heute bezeichnet die Russische Föderation diese Periode als den Großen Vaterländischen Krieg und erinnert sich daran separat von den Gedenkfeiern zum Zweiten Weltkrieg.
Die Entscheidung, ein Verteidigungs- und Sicherheitsbündnis zwischen den westlichen Ländern zu schließen, fiel endgültig im Jahr 1948 mit der Unterzeichnung des Brüsseler Vertrags. Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande verpflichteten sich, ein System der kollektiven Verteidigungzu schaffen, das politischen, militärischen und ideologischen Bedrohungen widersteht. Anschließend wurden Kanada und die USA eingeladen, um ein einheitliches Nordatlantisches Bündnis zwischen Europa und Nordamerika zu bilden. Kurz darauf wurden auch weitere Staaten eingeladen (Norwegen, Island, Dänemark, Italien, Portugal).
Die Verhandlungen gipfelten am 4. April 1949 in der Unterzeichnung des Washingtoner Vertrags und der offiziellen Gründung des Nordatlantischen Bündnisses. Die Mitgliederzahl beträgt aktuell 30. Im Aufnahmeverfahren befinden sich mehrere Länder, z. B. Bosnien und Herzegowina aber die bedeutendsten Bewerber sind Schweden und Finnland. Beide Länder entschieden sich erst nach dem Angriff auf die Ukraine durch die Armee der Russischen Föderation für den Beitritt. Die Ernsthaftigkeit dieser Entscheidung unterstreichen auch die Tatsachen, dass Schweden fast 200 Jahre militärisch neutral war und Finnland eine gemeinsame Grenze von 1300 km mit Russland hat.
Zu den stärksten Motivationen für die Mitgliedschaft gehört Artikel 5 des Washingtoner Vertrags. Der Angriff auf ein Mitglied des Bündnisses bedeutet automatisch den Angriff auf alle anderen. Kein NATO-Mitgliedsland hat jemals ein anderes Mitgliedsland angegriffen, was man vom Warschauer Pakt nicht sagen kann (Ungarn 1956, Tschechoslowakei 1968 über lange 20 Jahre). Die Mitglieder haben zudem die Möglichkeit, Ausrüstung über die gemeinsame Agentur zu kaufen NSPA (NATO Support and Procurement Agency). So kaufen sie Ausrüstung schneller, günstiger und mit besserer Unterstützung der Produktionsbetriebe ein, als es bei einem individuellen Vorgehen der einzelnen Länder der Fall wäre. Die NATO funktioniert nach demokratischen Prinzipien. Die Aufnahme eines neuen Mitglieds ist erst nach Zustimmung aller Mitglieder möglich. Wenn auch nur ein Mitglied dagegen ist, wird das Beitrittsverfahren gestoppt, unabhängig von der Größe des Landes oder dem finanziellen Beitrag des abstimmenden Mitglieds zum gemeinsamen Haushalt.
Warschauer Pakt
Der Warschauer Pakt bzw. die Organisation des Warschauer Vertrags wurde am 14. Mai 1955 gegründet. Wie der Name schon sagt, wurde der Pakt im polnischen Warschau unterschrieben. Der Warschauer Pakt wurde auf Initiative der Sowjetunion gegründet, als Reaktion auf die Gründung der NATO. 
Quelle: sita.sk
In allen Gründungsländern herrschte der Kommunismus. Es handelte sich um die UdSSR, die Volksrepublik Albanien, die Volksrepublik Bulgarien, die Tschechoslowakische Sozialistische Republik (Name seit 1960), die Ungarische Volksrepublik, die Deutsche Demokratische Republik (demokratisch war sie nur im Namen, es herrschte ein harter Kommunismus), die Volksrepublik Polen und die Sozialistische Republik Rumänien.
Die Mitgliedschaft wurde für 20 Jahre mit automatischer Verlängerung um 10 Jahre geschlossen, sofern der Mitgliedstaat im letzten Jahr nicht zurücktrat. Im Gegensatz zur NATO kamen keine neuen Mitglieder hinzu, ganz im Gegenteil. Albanien verließ den Pakt aus Protest gegen die blutige Niederschlagung des ungarischen Aufstands im Jahr 1956 und die Besetzung der Tschechoslowakei im Jahr 1968. Die Mongolei beantragte 1963 die Mitgliedschaft. Ihr Antrag wurde durch das Veto Rumäniens blockiert. Die UdSSR schickte trotz dieses Vetos ihre Militäreinheiten dauerhaft in die Mongolei, um ihren Einfluss in der Region zu festigen.
Damit bestätigte sich die Tatsache, dass trotz der offiziellen Vereinbarung über eine gleichberechtigte Entscheidungsfindung der Regierungen der Mitgliedstaaten alles von Moskau gesteuert wurde. Die Oberbefehlshaber stammten nämlich ausschließlich aus der Armee der UdSSR, ohne Vertreter der übrigen Mitglieder. Anders war es auch bei größeren wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen nicht.
Nach dem Zerfall der UdSSR verlor der Warschauer Pakt seinen Sinn und wurde offiziell am 1. Juli 1991 aufgelöst. Die Auflösung wurde von Vertretern der Parlamente der Mitgliedstaaten in Prag unterschrieben.
Quellen: ATM - MagnetPress , 2022 Lithuania Military Strength , Ministerium für Verteidigung der Slowakischen Republik, teraz.sk - Das Verteidigungsressort soll im Jahr 2022 mit einem Betrag von 1,838 Milliarden Euro wirtschaften, The Warsaw Treaty Organization, 1955 / Formation of Nato - Purpose, Dates & Cold War - HISTORY / Fast facts about NATO | CBC News, mocr.army.cz,